Die Leichenschau:
Ein allgemeiner Überblick

Image

Die Leichenschau in Deutschland erfüllt neben der amtlichen Todesfeststellung zwei zentrale Aufgaben: die Identifikation nicht natürlicher Todesursachen sowie die Erhebung zuverlässiger Daten für die Todesursachenstatistik – beides essenziell für Rechtssicherheit und Gesundheitspolitik. Aktuell weist das System jedoch gravierende Defizite auf, insbesondere in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, in denen rund 75% aller Todesfälle auftreten. Laut einer Untersuchung der Universität Rostock (2017) enthielten 27% von 10.000 überprüften Todesbescheinigungen schwere Fehler; lediglich 223 waren fehlerfrei. Experten wie Dr. Zack und Dr. Marco Genthe kritisieren, dass der Staat seiner Schutzpflicht gegenüber den Bürgern etwa im Hinblick auf die Verhinderung von Gewaltverbrechen nicht gerecht wird. Der Fall des niedersächsischen Krankenpflegers der mutmaßlich über 300 Patienten unentdeckt tötete, zeigt das Ausmaß der strukturellen Versäumnisse. Eine verpflichtende qualifizierte Leichenschau wurde bislang politisch nicht umgesetzt, obwohl dies zur Aufdeckung fahrlässiger oder krimineller Todesursachen beitragen könnte. Reformen sind dringend erforderlich.

Der Status Quo hat Defizite

Das derzeitige Leichenschausystem in Deutschland weist erhebliche Defizite auf, insbesondere in Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeeinrichtungen, in denen rund 75 % aller Todesfälle auftreten. Seit der Aufarbeitung der Serienmorde um den Krankenpfleger ist es amtlich: Die klassische Leischenschau ist nicht geeignet, die in diesen Einrichtungen meist spurenlosen nicht natürlichen Todesfälle zu erkennen.  Diese strukturelle Schwäche wirft grundlegende Fragen zur Effektivität staatlicher Kontrollmechanismen und zur Erfüllung der Schutzpflicht gegenüber den Bürgern auf.

Zusammengefasst lässt sich festhalten:

  • Drei Viertel aller Todesfälle in Deutschland werden nicht mit geeigneten Mitteln daraufhin untersucht, ob sie eines nicht natürlichen Todes gestorben sind.

  • Die Dunkelziffer der – vornehmlich fahrlässigen Tötungen – liegt im fünfstelligen Bereich.

Die Zahlen sprechen für sich

0
Menschen sterben pro Jahr in Deutschland
0
aller Todesfälle finden in stationären Einrichtungen statt
0
aller Todesbescheinigungen sind fehlerhaft

Es besteht Handlungsbedarf

Betrachten wir die aktuelle Situation sehen wir an verschiedenen Stellen einen Handlungsbedarf.

  1. Das Leichenschausystem in Deutschland weist erhebliche Defizite auf. Die Tatsache, dass ein Krankenpfleger möglicherweise mehr als 300 Morde begehen konnte, bevor man ihm auf die Schliche kam, belegt das nur zu deutlich.

  2. Die polizeilichen und rechtsmedizinischen Erkenntnisse aus den Serienmorden werden von der Politik bislang ignoriert. Die Defizite in unserem Leichenschausystem bestehen weiter fort.

  3. Studien gehen davon aus, dass die Anzahl der nicht erfassten nicht natürlichen Todesfälle im mittleren bis hohen fünfstelligen Bereich anzusiedeln sind.

  4. Die Floskel „Krankenhäuser sind die gefährlichsten Orte in Deutschland“ ist nicht aus der Luft gegriffen. Das wollen wir abstellen.

Image

Bildunterschrift

Wir wollen den Status optimieren

Das interdisziplinäre Fachforum Rechtsmedizin will den Finger in die Wunde legen, über neue Entwicklungen informieren, auf Missstände aufmerksam machen und Lösungen aufzeigen.

Das im Delme-Klinikum-Delmenhorst und dem Evangelischen Krankenhaus Oldenburg seit mehreren Jahren praktizierte und vom unserem Fachforum begleitete Pilotprojekt „Qualifizierte Leichenschau im Krankenhaus“ reduziert die bestehenden Defizite in unserem Leichenschausystem; es erkennt erstmals in der Routine spurenlose nicht natürliche Todesfälle in erheblichem Umfang.

Die flächendeckende Einführung dieses hocheffektiven Verfahrens ist mit nur geringem personellen und ohne zusätzlichen Finanziellen Aufwand möglich.

Image

Bildunterschrift

Trennung

von Todesfeststellung und Leichenschau

Professionalisierung

der LS durch den Einsatz speziell qualifizierter Ärzte

Sechs-Augen-Prinzip

unter Einbeziehung auswärtiger Spezialisten

Mehr Wissen führt zur effizienten Qualitätssteigerung

Das Interdisziplinäre Fachforum Rechtsmedizin ist die erste Anlaufstelle, wenn es um praxisnahe und rechtssichere Lösungen rund um die Leichenschau geht. Unsere besondere Stärke liegt in der interdisziplinären Zusammenarbeit: Polizisten, Juristen und Rechtsmediziner bringen ihr Fachwissen ein und sorgen so für einen ausgewogenen Blick auf die Herausforderungen in diesem sensiblen Bereich. Wir informieren, beraten und unterstützen zuverlässig alle, die mit Fragen zum Leichenrecht und zur Leichenschau befasst sind – von Einzelpersonen bis hin zu Institutionen.

Wenn Sie mehr über unser Konzept und unsere Lösungsansätze erfahren möchten, klicken Sie bitte hier.

Image

Bildunterschrift

Wir arbeiten mit folgenden Institutionen zusammen

bdk - Bund deutscher Kriminalbeamter e.V.
Fachhochschule (für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege) MV

Haben wir ihr Interesse geweckt?

Ihr direkter Ansprechpartner

Bei Fragen rund um das Interdisziplinäre Fachforum Rechtsmedizin stehe ich Ihnen gerne persönlich zur Verfügung. Zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren – ich unterstütze Sie gerne bei Ihrem Anliegen. Ihre Nachricht wird selbstverständlich vertraulich behandelt. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen.

Der Verein

Wir stellen eine kompetente Plattform für interdisziplinäre Fortbildung und Vernetzung im Bereich Rechtsmedizin und Todesermittlung. Durch regelmäßige Tagungen stärken wir den interdisziplinären Austausch, fördern Qualitätsstandards und dienen als Forum für fächerübergreifende Problemlösungen in forensisch relevanten Fragen.

Ihr Kontakt zu uns

c/o J. Knipp
Am Güstrower Tor 16
19055 Schwerin

Telefon: 05952-941652
E-Mail: j.knipp@interfafo.de